Die Kreditkarte kommt immer seltener allein

Kreditkarten werden immer häufiger zusammen mit vollwertigen Girokonten angeboten. Besonders Visa und Mastercard finden sich bei der Mehrzahl der Banken im Paket mit Konto und EC-Karte. Die anderen Zusatzleistungen werden dadurch nicht eingeschränkt. Im Gegenteil: Der „Rundum-Sorglos“-Trend erfasst nun auch zunehmend Prepaid-Kreditkarten.

Immer mehr Banken bieten Kreditkarten nur noch im Komplettpaket mit einem Girokonto an. Dies gilt besonders für Karten von Visa und Mastercard, die keine Teilzahlungsfunktion vorsehen. Besonders Direktbanken stellen ihren Kunden Komplettpakete für den Zahlungsverkehr zur Verfügung. Ob DKB-Bank, Comdirect-Bank oder Volkswagen-Bank: Bei allen drei Instituten sind kostenfreie Konten erhältlich, zu denen eine Visacard bereits dazu gehört. Damit nicht genug: Alle drei Institute bieten ihren Kunden dazu Möglichkeiten an, Guthaben attraktiv verzinsen zu lassen. Bei der Comdirect wird dazu ein klassisches Tagesgeldkonto eingerichtet, bei der DKB und der VW-Bank werden Guthaben auf den separat geführten Kreditkartenkonten überdurchschnittlich hoch verzinst.

Auf Bonusprogramme und Rabatte müssen Kunden auch nicht verzichten: Bei der VW-Bank werden verschiedene Preisnachlässe, wie etwa ein Prozent beim Tanken gewährt und bei der DKB-Bank wird mit jedem Einkauf ein Bonuskonto gefüllt, dessen Punkte sich im DKB-Club gegen Sachprämien eintauschen lassen. Die drei Banken stehen stellvertretend für eine generelle Entwicklung auf dem deutschen Markt für Zahlungsverkehrsprodukte.

Der Trend zum Komplettpaket für Konto, Karte und Co. resultiert zu einem guten Teil aus dem sehr intensiven Wettbewerb, den sich die Banken im Kampf um neue Kunden liefern. Eine separate Kreditkarte ohne Girokonto macht einfach zu wenig her. Deshalb werden diese Karten auch immer weniger angeboten – oder sie sind mit einer Ratenzahlungsoption ausgestattet.

Auch Prepaid-Modelle bieten häufig ein Girokonto

Bemerkenswert ist, dass die Tendenz der Geldhäuser zu umfangreicheren Angeboten nicht vor dem sonst differenziert zu betrachtenden Markt für Prepaid-Lösungen Halt macht. Auch Visa- oder Mastercards, bei denen der Kunde keinen Kreditrahmen zur Verfügung gestellt bekommt, bieten immer häufiger auch eine Girokonto-Funktion.

Die Schwäbische Bank etwa stellt eine Prepaid-Mastercard inklusive deutscher Kontonummer aus, über die Überweisungen auf jedes andere Girokonto getätigt und empfangen werden können. Eine moderne Online-Banking-Plattform inklusive SMS-Benachrichtigungsservice steht ebenfalls zur Verfügung. Einzig für den Lastschriftverkehr ist das Konto gesperrt. Vergleichbare Angebote finden sich immer häufiger.

Die Wirecard-Bank stellt ihre Komplettlösung auf Prepaid-Basis sogar in den Mittelpunkt ihres Online-Angebotes: Ganz offen wird damit geworben, dass Visa- und EC-Karte inklusive Girokonto auch ohne Schufaauskunft und Einkommensnachweis ausgestellt werden.

Verbraucher wollen wenig Aufwand, Banken mehr Gewinn

Verbraucher schätzen offenbar einen geringen Aufwand für die privaten Finanzen wieder mehr als noch vor zwei oder drei Jahren, als das Internet und seine Vergleichsmöglichkeiten die Bereitschaft gestützt hatten, mit mehreren Banken zusammenzuarbeiten.

Banken versprechen sich von den All-Inklusive-Angeboten höhere Erträge. Dazu sollen Kunden komplett von ihrer Hausbank weggelockt werden. Es lohnt sich einfach nicht, eine kostenfreie Kreditkarte auszustellen, die nur dazu benutzt wird, hin und wieder gebührenfrei Bargeld abzuheben, wenn gerade kein Automat der eigenen Bank in der Nähe ist. Mit einem größeren, neben der Kreditkarte zur Verfügung stehenden Angebot wollen die Geldhäuser in Zukunft mehr an ihren Kunden verdienen.