Kreditkarte statt Tagesgeld?

Immer mehr Banken zahlen ihren Kunden hohe Guthabenzinsen auf ihren Kreditkartenkonten. Die Zinsen fallen dabei in vielen Fällen sogar deutlich höher aus als auf klassischen Tagesgeldkonten. Die „Kreditkarte 2.0“ ist längst mehr als nur als nur ein Zahlungsmittel – sie avanciert zum Komplettpaket für die privaten Finanzen.

Wer sich dieser Tage nach attraktiven und zugleich sicheren Anlagemöglichkeiten umsieht, findet sich in einem tristen Umfeld wieder. Die Zinsen auf Tages- und Festgeldkonten sind so niedrig wie lange nicht mehr. Nach Angaben der FMH Finanzberatung zahlen Banken für täglich fällige Einlagen derzeit durchschnittlich gerade einmal 1,44 Prozent Zinsen im Jahr. Termingelder mit einer Laufzeit von 12 Monaten werden mit 1,62 Prozent nur marginal besser verzinst.

Ein Blick auf die Konditionen der Banken zeigt, dass sich unter den besten Konten viele Kreditkartenkonten befinden, die (auch) im Guthaben geführt werden können. Ganz weit oben im FMH-Tagesgeldvergleich findet sich das Kreditkartenkonto der Barclays-Bank, das mit 3,0 Prozent Zinsen mehr als das Doppelte des Marktdurchschnitts bietet. Die Konditionen sind dabei nicht auf einen bestimmten Anlagebetrag begrenzt – theoretisch könnten auf dem Konto also auch 500.000 Euro und mehr angelegt werden. Um in den Genuss der Konditionen zu kommen, müssen Kunden das Barclaycard New-Double Kreditkartendoppel beantragen. Es besteht aus einer Visa- und einer Mastercard mit verschiedenen Zusatzleistungen. Im ersten Jahr entfällt die reguläre Kartengebühr von 35 Euro – Zeit genug also, die Flaute bei den Zinsen zu überbrücken.

Ebenfalls gute Zinsen bietet das Kreditkartenkonto der SKG-Bank, das Guthaben mit 2,55 Prozent im Jahr verzinst. Zu der kostenfreien Kreditkarte gehört ein ebenso kostenfreies Girokonto, das keinen Mindestgehaltseingang erfordert – eine Nutzung ausschließlich zu Anlagezwecken ist also problemlos möglich. Zusatznutzen: Mit der Kreditkarte der SKG kann an allen Automaten mit Visa-Zeichen kostenlos über das gut verzinste Guthaben verfügt werden.

Die Deutsche Kreditbank bietet ebenfalls eine kostenfreie Kreditkarte mit Guthabenverzinsung an. Der Zins beträgt bei dem Tochterinstitut der Bayrischen Landesbank 2,05 Prozent –er wurde jüngst um 0,5 Prozent gesenkt. Auch bei der DKB gehört ein kostenloses Konto zum Leistungsumfang und mit der Kreditkarte kann wie bei der SKG-Bank weltweit kostenlos Bargeld bezogen werden. Die Ähnlichkeit der Angebote von SKG und DKB ist nicht ganz zufällig: Die DKB ist die (einzige) Gesellschaftern der SKG.

Eine ähnliche Konstellation findet sich bei VW-Bank und Audi-Bank: Die beiden (liierten) Geldhäuser bieten eine Visa- Kreditkarte mit immerhin 1,85 Prozent Zinsen im Jahr an. Sie gehört zu einem Girokonto, das kostenfrei ist, wenn ein institutsfremder Geldeingang von mindestens 1000 Euro monatlich zu verzeichnen ist.

Wie lässt sich die gute Verzinsung auf vielen Kreditkartenkonten erklären? Möglich sind zwei Ursachen. Zum einen ist der Wettbewerb auf dem deutschen Markt für Zahlungsverkehrs-Produkte speziell unter Banken mit internetaffiner Klientel sehr intensiv. Das zwingt die Institute dazu, Angebote zu unterbreiten, die keine Wünsche offen lassen. Zum anderen ist zu vermuten, dass nur ein geringer Teil der Kundschaft wirklich sehr große Beträge auf den Kreditkartenkonten anlegt. Dies liegt ganz schlicht und einfach an den gewohnheitstreuen deutschen Verhaltensweisen in finanziellen Angelegenheiten.