Unter der Lupe: Kreditkarten vom Online-Broker

Das Bild des Online-Brokings hat sich seit der Jahrtausendwende gewandelt: Zu den Leistungen rund um Trading und Kapitalanlage gesellen sich in den Produktpaletten der Börsen-Spezialisten auch immer häufiger Lösungen für den Zahlungsverkehr. Was aber bieten die Kreditkarten der beiden wichtigsten deutschen Online-Broker?

Die beiden bekanntesten Online-Broker in Deutschland sind die DAB-Bank in München und Consorsbank in Nürnberg. Beide Institute stehen stellvertretend für die erste Generation des Online-Brokings, sind aber heute nicht mehr eigenständig. Die DAB, nach eigener Aussage Deutschlands älteste Direktbank, gehört zum Unicredit-Konzern und Consorsbank untersteht der französischen Großbank BNP Paribas.

Die DAB-Bank bietet zwei Mastercard-Varianten an: Eine Basis-Version und eine Mastercard-Platinum. Beide können nur in Verbindung mit einem Girokonto bei der DAB unterhalten werden. Dieses gibt es als gewöhnliches und als Platin-Konto. Die Kontoführungsgebühren betragen 4 bzw. 8 Euro je Monat und entfallen bei einem ausreichenden monatlichen Geldeingang (1000 bzw. 2000 Euro).

Die einfache Mastercard kostet 10 Euro im Jahr. Sie bietet grundlegende Funktionen: Bargeldloses Zahlen ist bei 24 Millionen Akzeptanzstellen weltweit möglich und rund um den Globus stehen etwa 600.000 Geldautomaten zur Verfügung. Darüber hinaus sind im Leistungsumfang ein Notfallservice und eine Haftungsbeschränkung des Karteninhabers auf 50 Euro enthalten.

Die Platin-Mastercard bietet da schon deutlich mehr. Sie ist mit einer Jahresgebühr von 200 Euro allerdings auch außerordentlich teuer. Der Kartenpreis entfällt auch erst ab einem jährlichen Einkaufsumsatz von mindestens 15.000 Euro -nichts für Ottonormalverbraucher also. Im Leistungsumfang der Platinum Card sind ein Concierge Service, ein Versicherungspaket, ein Priority-Pass sowie Zugang zu exklusiven Angeboten der „Platinum Collection“ enthalten.

Der Priority-Pass bietet Zutritt und exklusive Services in VIP-Lounges an Flughäfen weltweit. Das Versicherungspaket besteht aus mehreren Reise- und Sport-Policen sowie einem Einkaufsschutz. Der Concierge-Dienst stellt Leistungen wie Reise- und Ticketservices, aber auch Geschenk- und Notfallservices zur Verfügung. Die Platinum Collection bietet Rabatte und Sonderpreise für ganz verschiedene Angebote, darunter Urlaubsreisen.

Je nach Art der Kreditkarte fallen bei der DAB verschiedene nutzungsabhängige Entgelte an. Bei der einfachen Mastercard wird ein Auslandseinsatzentgelt in Höhe von 1,5 Prozent erhoben, bei der Mastercard Platinum immerhin 1,0 Prozent. Barverfügungen am Automaten bzw. am Schalter kosten mit beiden Karten 2,0 Prozent der abgerufenen Summe, mindestens aber 5 Euro. Die DAB trennt mit ihrem Kreditkartenangebot ihre eigene Klientel in zwei verschiedene Märkte: Eine Basisversion mit niedriger Gebühr für Preisbewusste und eine gehobene Platin-Variante für zahlungskräftige und anspruchsvolle Kunden.

Bei Consorsbank in Nürnberg wird eine Kreditkarte nur in Verbindung mit einem Girokonto ausgestellt. Es handelt sich dabei um eine vollwertige Visa-Classic-Karte. Das Girokonto ist kostenfrei, wenn monatlich mindestens 1.500 Euro darauf eingehen und kostet ansonsten 4,95 im Monat. Es bietet auch eine Giro-Card inklusive Geldkartenfunktion.

Mit der Visacard kann weltweit bargeldlos bezahlt werden, ohne dass dafür ein Entgelt erhoben wird. Auch Barverfügungen sind mit der Kreditkarte an allen Automaten mit Visa-Logo weltweit möglich. Beim bargeldlosen Zahlen können allerdings ggf. Fremdspesen in Rechnung gestellt werden.

Weder das Angebot von Consors noch das der DAB erscheinen dazu geeignet, parallel zur Hausbank genutzt zu werden. Die Gebühren für die Kontoführung sind ohne regelmäßige Geldeingänge zu hoch und würden sich dann bei der DAB auf knapp 60 bis hin zu fast 300 Euro im Jahr summieren. Auch die etwa 60 Euro bei Consorsbank erscheinen noch recht viel, obwohl hier durch den Wegfall von Auslandseinsatzentgelt und Bargeld-Spesen ein größerer Nutzen auch für preisbewusste Kunden gestellt wird. Wirklich lohnenswert sind die Angebote nur für Kunden, die ihre Wertpapiergeschäfte über einen der beiden Broker abwickeln und auch ihren persönlichen Zahlungsverkehr unter dessen Dach wissen möchten.