US-Wirtschaftsprofessor: „Schluss mit dem Bargeld!“

„Warten Sie kurz, ich hab’s passend!“ – Meistens folgt auf diese Worte eine endlos scheinende Suche des Sprechers nach Kleingeld, während die Schlange an der Kasse immer länger und Sie immer genervter werden. Wird es solche Szenen zukünftig nicht mehr geben? Der Vorschlag des amerikanischen Wirtschaftsprofessors Miles Kimball klingt wie eine Utopie aus einem Science-Fiction-Roman. Seit Jahren kämpft er dafür, dass Bargeld zum Wohl der Gesamtwirtschaft verhindert oder zumindest verteuert wird. Die Ideen aus seinem Blog stellte er bereits bei mehreren großen Banken vor.

Immer mehr bargeldlose Zahlungen

Dass die bargeldlosen Zahlungen stetig zunehmen, ist kein Geheimnis. Vor allem in Skandinavien hat der technische Fortschritt dazu geführt, dass bereits über ein vollständiges Verschwinden des Bargelds spekuliert wird. Dort wurde die Anzahl der Kassenautomaten bereits merklich reduziert. Neben EC-Karten und Kreditkarten werden auch Zahlungen per Smartphone immer beliebter. Problematisch wäre bei einer kompletten Abschaffung des Bargelds aber, dass die meisten Euro-Banknoten außerhalb der Europäischen Währungsunion im Umlauf sind.

Ist die Bargeldabschaffung sinnvoll?

Kimball bringt als eines der Hauptargumente für die Abschaffung von Bargeld vor, dass es eine wichtige Rolle bei Verbrechen und organisierter Kriminalität spielt. Der amerikanische Ökonom Ken Rogoff dagegen wäre vorerst schon damit zufrieden, Banknoten mit hohen Nennwerten abzuschaffen, um die Kriminalität zu senken und der Inflation entgegenzusteuern. Gerade in Anbetracht der von der jüngsten Einführung von Negativzinsen durch die Europäische Zentralbank (05.06.14: Einlagenzins für Banken auf minus 0,1 Prozent) bietet es sich an, mit der Abschaffung des Bargelds vorsichtig zu sein. Sollten die Banken diesen Negativzins zeitnah an ihre Kunden weitergeben, dürften viele Menschen diese Entwicklung zum zum Anlass nehmen, ihr Bankkonto zu leeren und mit dem Geld Tresore, Matratzen und Dielenböden zu füllen.

Kostenlose Finanzprodukte ein Auslaufmodell?

Die Sorgen um den plötzlichen Wegfall von günstigen Finanzprodukten wie kostenlosen Kreditkarten sind derzeit unbegründet. Es ist jedoch absehbar, dass Banken die negativen Zinskonditionen in der einen oder anderen Form an Ihre Kunden weitergeben müssen. Sollten Sie demnach jetzt bestimmte gebührenlose Produkte in Erwägung ziehen, empfehlen wir Ihnen, nicht zu lange zu zögern und direkt zu beantragen, bevor das Angebot aus dem Portfolio der jeweiligen Banken und Finanzdienstleister verschwindet.